Bergsee

Rundreise durch das Yukon-Territorium

Eine Chartermaschine der Air Transat bringt uns nach Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon-Territoriums im Westen Kanadas. Nach dem fast dreizehnstündigen Flug wollen wir nur noch eines – in unser Hotel, eine warme Dusche, etwas essen und dann ins Bett. Für den nächsten Tag haben wir den Mietwagen reserviert. Wir holen das Auto am Flughafen ab und machen eine erste Erkundungstour durch die Stadt. Sehenswert sind das Visitors Center, die S.S. Klondike, ein zum Museum umgebauter Schaufelraddampfer und die Whitehorse Fish Ladder, eine Holzkonstruktion, die es den Lachsen erleichtert, stromaufwärts zu ihren Laichplätzen am Yukon zu gelangen. Am nächsten Tag soll es endlich losgehen mit unserer Rundfahrt.

Abfahrt in Whitehorse um 08.00 Uhr. Der Alaska-Highway, über den wir fahren, ist eine der Traumstraßen der Welt. Wir wollen heute bis nach Beaver Creek, einem Ort an der Grenze zu den USA. Unseren ersten, etwas längeren Stop machen wir in Champaine. Champaine war früher ein bedeutendes indianisches Handelszentrum auf dem Weg von Whitehorse nach Dawson City. Heute wirkt die kleine Siedlung verfallen und verlassen. Wir haben ein paar Pferde gesehen, uralte verrostete Autos und auch einen Menschen. Die Siedlung ist also noch bewohnt. Schräg gegenüber befindet sich ein alter Friedhof. Die Toten wurden in Decken gehüllt und in kleine Holzhäuser gelegt. Erst wenn das Holzhaus verrottet war, wurden die sterblichen Überreste endgültig begraben. Weiter geht es durch die überwältigende Weite Kanadas, unserem nächsten Ziel entgegen. Um die Mittagszeit erreichten wir Haines Junction. Die einzigen Tiere, die wir bisher am Straßenrand gesehen haben, sind »Ground Squirrels«, zu deutsch Erdhörnchen. Wir halten angestrengt Ausschau nach Bären, Wölfen und Elchen, aber ohne Erfolg. Das nächste Naturschauspiel steht uns schon bevor – der Kluane Nationalpark mit hohen Bergen und Gletschern – dies sehen wir alles aus der Ferne – und der Lake Kluane, ein riesiger See. Er ist 486 km² groß. Wir fahren rund um den See und sehen den beeindruckenden Farbwechsel des Wassers von aquamarinblau über Türkis bis zu einem schlammigen Braun. Von den Bergen herunter kommen zahlreiche Bachläufe, die meisten zurzeit ohne Wasser. Im Frühjahr jedoch, bei der Schneeschmelze, verwandeln sich alle in reißende Flüsse. Wir fahren weiter auf der teilweise schnurgeraden Straße vorbei an Bergen, Wäldern, Flüssen und Seen bis nach Beaver Creek, unserem heutigen Etappenziel. Zu sehen gibt es hier nicht allzu viel, der Ort hatte seine Blütezeit beim Bau des Alaska-Highways. Aber um den Jetlag endgültig zu überwinden, ist ein freier Tag in Beaver Creek genau das Richtige.

Um unsere Rundreise durch das Yukon-Territorium fortsetzen zu können, müssen wir in die USA einreisen. Wir haben eine lange Fahrt vor uns bis nach Tok. Tok ist eine Hundeschlittenstadt, es gibt hier mehr Huskys als Einwohner. Nach dreizehn Stunden sind wir am Ziel. Aber an Schlafen ist kaum zu denken, die Hunde heulen die ganze Nacht. Am nächsten Tag steht die Etappe nach Dawson City auf dem Programm. Auf dem Weg von Tok nach Dawson machen wir halt in einem kleinen Ort namens Chicken. Kurz darauf erreichen wir wieder die Staatsgrenze und sind zurück in Kanada. Die Straße ist jetzt etwas besser, obwohl sie immer noch von vielen Baustellen unterbrochen wird. Unsere nächste Rast machen wir kurz hinter der Grenze. Hier kann man Kaffe trinken und zumindest ein Sandwich essen, denn die Hoffnung auf ein Mittagessen haben wir inzwischen aufgegeben. Wir nähern uns langsam Dawson City. Um die Stadt zu erreichen, müssen wir mit der Fähre über den Klondike fahren. Am Anleger heißt es zunächst warten, denn es stehen eine ganze Menge Autos und Wohnmobile vor uns in der Schlange. Die Überfahrt dauert dann nur ein paar Minuten und unser Hotel finden wir problemlos. Unser erster Abend in Dawson City ist eine Reise in die Vergangenheit. Wir gehen zu »Diamond Tooth Gertie«. Das ist ein »Gambling House«, also so etwas wie eine Spielbank mit Liveshow.

Am nächsten Tag wandeln wir auf den Spuren der Goldsucher. Wir haben Dawson verlassen und sind zum Claim 33 gefahren. Schon auf dem Weg dorthin kann man rechts und links von der Straße die einzelnen Goldminen sehen. Überall wird mit großem Gerät gearbeitet, Bagger, Bohrgeräte, Wasserpumpen. Am Claim 33 können Touristen selbst Gold waschen. Später schauen wir uns die Stadt an. Es gibt viele windschiefe Häuser und am Jack London Square kann man die Hütte besichtigen, in der der berühmte Schriftsteller zur Zeit des Goldrausches gelebt hatte.

Am nächsten Tag brechen wir wieder auf in Richtung Whitehorse. Heute sehen wir dann auch endlich unseren ersten Braunbären. Wir bremsen sofort, aber der Bär ist zunächst im Gebüsch verschwunden. Kurz darauf taucht er hinter unseren Autos wieder auf und läuft über die Straße. Weiter geht es, unserem ersten Stopp entgegen, dem Moskito-House. Es ist ein Café und vor dem Haus sind überdimensionale Moskitos aus Holz und Stoffresten aufgebaut. Wir trinken Kaffee und sehen uns den »Gift-Shop« (Andenkenladen) an. Wir erreichen dann gegen Mittag den »scenic view point 5 fingers«. Wir genießen die unvergleichlich schöne Aussicht auf den Fluss mit den fünf Felseninseln, die diesem Punkt ihren Namen gegeben haben. Nur an einer der äußeren Stellen ist der Fluss hier mit Schiffen befahrbar. Es ist ein Fußweg angelegt mit Treppen und befestigten Wegen zur ersten Felseninsel unten am Fluss. Es würde aber ungefähr eine Stunde dauern, diesen Weg hin und zurück zu gehen und so viel Zeit haben wir leider nicht. Als wir am Ende dieses anstrengenden Tages Whitehorse erreichen, sind wir ziemlich erledigt. Wir geben noch die Mietwagen zurück und wollen uns erst einmal richtig ausschlafen. Wir haben noch einen Tag Aufenthalt, bevor uns das Flugzeug zurück nach Deutschland bringt. Zehn Tage für eine solche Rundreise sind zu wenig. Wir werden das bestimmt wiederholen mit viel mehr Zeit, das ist heute schon sicher.